leider stelle ich fest dass meine derzeitige Tätigkeit zuviel Kreativität verlangt, die mir für den Betrieb meines Blogs fehlt. In Zukunft gibt es hier vielleicht wieder etwas zu lesen, bis dahin: Ein paar ausgewählte Leseproben aus meinem Fundus an Beiträgen. Danke für den Besuch und eine schöne Zeit! 🙂
Bildung basierte schon immer auf dem Teilen (von Wissen, Erfahrungen, Meinungen, Ideen…). Ironischerweise wird in allen Bildungsbereichen dieser Akt des Teilens häufig durch das geltende Urheberrecht erheblich erschwert. Open Educational Resources (OER) sind deshalb eine vielversprechende Entwicklung für die Bildung im Allgemeinen und Bildungsgerechtigkeit im Besonderen. Als OER werden Bildungsressourcen bezeichnet, die unter einer alternativen Urheberrechtslizenz- hierzulande meist einer CC-Lizenz – veröffentlicht werden. Der Urheber z.B. eines Arbeitsblatts kann „ab Werk“ dem Nutzer, z.B. einem anderen Dozenten oder Trainer, bestimmte Rechte einräumen und gleichzeitig Einfluss darauf nehmen, wie es genutzt wird. So werden UrheberInnen und NutzerInnen gleichermaßen respektiert. Wirklich „offen“, effizient und effektiv sind Open Educational Resources nur dann, wenn dem Verwender/der Verwenderin die Nutzung, Veränderung und Weiterverbreitung der Ressource durch den Urheber erlaubt wird. Nur dann können OER ihr positives Potenzial voll ausspielen (Details zu Open Educational Resources und CC-Lizenzen hier). Jedoch bringen genau diese Möglichkeiten vor allem langfristig einige Herausforderungen mit sich.
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Nachfolgend ein kleines Gedankenexperiment: Stellen wir uns kurz vor, Frau Maier erstellt ein Arbeitsblatt und stellt es über ein freies Repositorium (für Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel 4teachers.de) unter CC-Lizenz ins Netz. Herr Müller findet das Arbeitsblatt, vielleicht über eine spezialisierte Suchmaschine (bspw. die Suchmaschine des deutschen Bildungsservers), modifiziert es und stellt es wieder online zur Verfügung. Frau Sonne findet Herrn Müllers Version, modifiziert Ihrerseits das Arbeitsblatt und stellt es online, während Herr Blume im Netz über die ursprüngliche Version von Frau Maier stolpert, diese auf seine Zwecke anpasst und ebenfalls online stellt. In kurzer Zeit gibt es so von ein und demselben Arbeitsblatt zig Versionen online. Selbst wenn zuverlässig immer nur die aktuellste Version des AB verändert und wieder zur Verfügung gestellt wird: Es wird zunehmend schwieriger für jeden weitere Person die das AB modifizieren möchte und wieder in die Community zurückgeben will, zuverlässig über alle Iterationen allen Veränderungen und Mit-AutorInnen Rechnung zu tragen, wie es selbst die grundlegendste CC-Lizensierung verlangt (CC-BY 4.0 – das Werk darf verändert, genutzt und weiterverbreitet werden, so lange der Autor/die Autorin namentlich genannt wird). Eine Veröffentlichung als Gemeingut (engl. Public Domain, d.h. unter Verzicht auf alle Urheberrechte am Werk) kommt für die meisten nicht in Frage (und ist hierzulande rechtlich meines Wissens auch nicht trivial), aus unterschiedlichsten Gründen. Diese Problem muss mittelfristig praktikabel gelöst werden, ansonsten droht es die breite Akzeptanz und Nutzung von OER zu beeinträchtigen. Zum Einen, weil der Aufwand für eine lizenzkonforme Auszeichnung einer Veränderung von Werken für OER-MacherInnen stetig größer wird und damit Synergieffekte durch das Teilen signifikant zu verringern droht. Zum anderen, weil das Auffinden der viabelsten OER für NutzerInnen erschwert wird. Mich beschäftigt dieses Problem schon eine ganze Weile- nachfolgend deshalb eine kurze erste Work-in-Progress-Ideensammlung, wie diese Herausforderung gemeistert werden könnte:
Meiner Meinung nach ist zunächst eine internationale Einigung auf ein standardisiertes Set von Metadaten notwendig. Auf dieser Basis kann eine möglichst umfassende Kenntlichmachtung von Bildungsressourcen mit hilfreichen Schlagworten und die maximal nutzerfreundliche Umsetzung für MacherInnen und NutzerInnen aus allen Bildungsbereichen angestrebt werden. Einen ersten nationalen Ansatz dazu gibt es bereits. Bestehende Expertise seitens des (internationalen) Bibliothekswesens könnte in diesem Vorhaben dabei gewinnbringend nutzbar gemacht werden.
Und last but not least braucht es ebenso leistungsfähige Algorithmen für die automatisierte Kennzeichnung des existierenden Bestands an Open Educational Resources und die Befüllung der Blockchain sowie für eine leistungsfähige, auf Bildungsressourcen spezialisierte und frei verfügbare Softwarelösung, mit der NutzerInnen für sie relevante OER schnell und intuitiv finden können.
Um zu den Grundgedanken von OER kongruent zu sein, sollten die so entstehenden Lösungen selbstverständlich unter einer Open Source-Lizenz veröffentlicht werden.
Das ist natürlich eine stattliche Wunschliste- und da das nächste Weihnachtsfest noch einige Zeit entfernt ist, bleibt mir an dieser Stelle nur der Aufruf: Freiwillige vor!
*(Ein solcher Tenor steht natürlich immer im Verdacht nur ein weiteres speckbewehrtes Säugetier zu sein, das durch das internationale Dorf getrieben wird- die Zahl und das Renommee der Stakeholder, die aktuell in diese Technologie investieren, stimmen mich derzeit allerdings zuversichtlich, dass es sich dabei nicht nur um leere Verheißungen handelt.)
Die Forderung nach medienpädagogischer Arbeit und medienpädagogischen Angeboten hat sich in den letzten Jahren verstetigt bzw. deutlich vergrößert. Mit der Beschleunigung der medial-technischen Entwicklung und dem Verwischen medialer Grenzen ist medienpädagogische Arbeit in vielerlei Hinsicht wichtiger denn je. Die große Stärke der Medienpädagogik ist zweifelsohne ihr Charakter als Querschnittsdisziplin: Wo die IT fast ausschließlich technisch fokussiert ist nimmt die Medienpädagogik das Soziale in den Blick in dem Bewusstsein, dass technische Entwicklungen vor allem im Sozialen Ihre Bedeutung gewinnen und verändern. Wichtige Erkenntnisse aus Psychologie und Soziologie werden von der Medienpädagogik im Hinblick auf die mediale Wirklichkeit reinterpretiert. Und schließlich sucht Sie nach pragmatischen Antworten auf die alten und neuen Fragen, die sich im Bereich der Pädagogik durch die medial-technische und gesellschaftliche Entwicklung in immer höherer Frequenz zu stellen scheinen: Wie definiert sich Freundschaft im Zeitalter von Social Media? Was bedeutet Privatsphäre im Zuge von Entwicklungen wie Google Glass?
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Eine Stärke der Medienpädagogik ist die Folgenabschätzung
Das größte Potenzial aber, so könnte man sagen, zeigt die Medienpädagogik dort, wo sie partikulare Entwicklungen im Hinblick auf größere Maßstäbe interpretieren kann. Sie hat damit eine wichtige ordnende Funktion in einem immer komplexeren Gefüge der modernen gesellschaftlichen Realität. Anders ausgedrückt: sie ist aufgrund ihres Charakters wie keine andere Disziplin fähig, die Folgen von Entwicklungen im Querschnitt von Technik, Medien, Mensch und Gesellschaft in ihren Konsequenzen abzuschätzen und fundierte Projektionen möglicher Entwicklungslinien vorzunehmen. Spätestens im historischen Rückblick auf mediale Entwicklungen wie dem Buchdruck wird unbestreitbar, dass sie in ihrer Relevanz kaum zu überschätzen sind.
Soweit, so gut, könnte man sagen. Doch die Medienpädagogik ist besonders im politischen Bereich defizitär. Hier spreche ich nicht von der wichtigen Rolle, die sie im Bereich der politischen Bildungsarbeit spielt. Sondern ich meine insbesondere das aktive Handeln im politischen Bereich. Sicherlich stellt die Medienpädagogik auch politische Forderungen. Aber Sie tut es weder konsequent, noch mutig und schon gar nicht im richtigen Maßstab. So ist das Medienpädagogische Manifest zweifelsohne ein wichtiger Beitrag und enthält wichtige politische Forderungen. Die politische Agenda bleibt jedoch auf das Pädagogische verkürzt. Damit nutzt die Medienpädagogik Ihre oben skizzierte Stärke nur marginal, zugespitzt formuliert, sie handelt fahrlässig, in dem sie sie überwiegend ungenutzt lässt.
Die Medienpädagogik braucht eine deutlichere Positionierung für Demokratie und für Menschenrechte
Aktuell zeigt sich dieses Defizit besonders deutlich bei den Diskussionen zu Themen wie Netzneutralität und den gigantischen globalen Überwachungsapparaten namens „PRISM“ und „Tempora“. Wie können wir schweigen, wo wir doch wissen wie wichtig Netzneutralität für eine digitalisierte demokratische Gesellschaft ist? Wie können wir die massive, globale und systematische Verletzung von Grundrechten durch Überwachungsapparate unkommentiert lassen? Wir können es nicht. Wenn sich die Medienpädagogik in ihrem Anspruch und Handeln im Sinne von Bildung und Aufklärung ernst nimmt (und ernst genommen werden will!) kann sie eine deutliche politische Positionierung nicht vermeiden. Und damit meine ich selbstverständlich eine parteiunabhängige Positionierung im Sinne von Demokratie und Menschenrechten. Konsequent bedeutet das für Medienpädagogen und Medienpädagoginnen, dass sie in der Praxis Aufmerksamkeit für solcherlei Fragen schaffen müssen, wie sie es auch schon in vielen anderen Fragen tun. Letztendlich muss also die Disziplin und die Menschen, die sie vertreten, eben jene Bewegung im Politischen vollziehen, die wir den Adressaten unserer praktischen Arbeit immer wieder nahe legen: eigene Standpunkte entwickeln und konsequent vertreten.