Open Educational Resources, Metadaten und die Blockchain

Bildung basierte schon immer auf dem Teilen (von Wissen, Erfahrungen, Meinungen, Ideen…). Ironischerweise wird in allen Bildungsbereichen dieser Akt des Teilens häufig durch das geltende Urheberrecht erheblich erschwert. Open Educational Resources (OER) sind deshalb eine vielversprechende Entwicklung für die Bildung im Allgemeinen und Bildungsgerechtigkeit im Besonderen. Als OER werden Bildungsressourcen bezeichnet, die unter einer alternativen Urheberrechtslizenz- hierzulande meist einer CC-Lizenz – veröffentlicht werden. Der Urheber z.B. eines Arbeitsblatts kann „ab Werk“ dem Nutzer, z.B. einem anderen Dozenten oder Trainer, bestimmte Rechte einräumen und gleichzeitig Einfluss darauf nehmen, wie es genutzt wird. So werden UrheberInnen und NutzerInnen gleichermaßen respektiert. Wirklich „offen“, effizient und effektiv sind Open Educational Resources nur dann, wenn dem Verwender/der Verwenderin die Nutzung, Veränderung und Weiterverbreitung der Ressource durch den Urheber erlaubt wird. Nur dann können OER ihr positives Potenzial voll ausspielen (Details zu Open Educational Resources und CC-Lizenzen hier). Jedoch bringen genau diese Möglichkeiten vor allem langfristig einige Herausforderungen mit sich.

Nachfolgend ein kleines Gedankenexperiment: Stellen wir uns kurz vor, Frau Maier erstellt ein Arbeitsblatt und stellt es über ein freies Repositorium (für Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel 4teachers.de) unter CC-Lizenz ins Netz. Herr Müller findet das Arbeitsblatt, vielleicht über eine spezialisierte Suchmaschine (bspw. die Suchmaschine des deutschen Bildungsservers), modifiziert es und stellt es wieder online zur Verfügung. Frau Sonne findet Herrn Müllers Version, modifiziert Ihrerseits das Arbeitsblatt und stellt es online, während Herr Blume im Netz über die ursprüngliche Version von Frau Maier stolpert, diese auf seine Zwecke anpasst und ebenfalls online stellt. In kurzer Zeit gibt es so von ein und demselben Arbeitsblatt zig Versionen online. Selbst wenn zuverlässig immer nur die aktuellste Version des AB verändert und wieder zur Verfügung gestellt wird: Es wird zunehmend schwieriger für jeden weitere Person die das AB modifizieren möchte und wieder in die Community zurückgeben will, zuverlässig über alle Iterationen allen Veränderungen und Mit-AutorInnen Rechnung zu tragen, wie es selbst die grundlegendste CC-Lizensierung verlangt (CC-BY 4.0 – das Werk darf verändert, genutzt und weiterverbreitet werden, so lange der Autor/die Autorin namentlich genannt wird). Eine Veröffentlichung als Gemeingut (engl. Public Domain, d.h. unter Verzicht auf alle Urheberrechte am Werk) kommt für die meisten nicht in Frage (und ist hierzulande rechtlich meines Wissens auch nicht trivial), aus unterschiedlichsten Gründen. Diese Problem muss mittelfristig praktikabel gelöst werden, ansonsten droht es die breite Akzeptanz und Nutzung von OER zu beeinträchtigen. Zum Einen, weil der Aufwand für eine lizenzkonforme Auszeichnung einer Veränderung von Werken für OER-MacherInnen stetig größer wird und damit Synergieffekte durch das Teilen signifikant zu verringern droht. Zum anderen, weil das Auffinden der viabelsten OER für NutzerInnen erschwert wird. Mich beschäftigt dieses Problem schon eine ganze Weile- nachfolgend deshalb eine kurze erste Work-in-Progress-Ideensammlung, wie diese Herausforderung gemeistert werden könnte:

Meiner Meinung nach ist zunächst eine internationale Einigung auf ein standardisiertes Set von Metadaten notwendig. Auf dieser Basis kann eine möglichst umfassende Kenntlichmachtung von Bildungsressourcen mit hilfreichen Schlagworten und die maximal nutzerfreundliche Umsetzung für MacherInnen und NutzerInnen aus allen Bildungsbereichen angestrebt werden. Einen ersten nationalen Ansatz dazu gibt es bereits. Bestehende Expertise seitens des (internationalen) Bibliothekswesens könnte in diesem Vorhaben dabei gewinnbringend nutzbar gemacht werden.

Zum anderen braucht es ein leistungsfähiges, dezentrales Repositorium, eine vernetzte Datenbank, in der alle Ressourcen erfasst und Ihre Modifikationen und Iterationen erfasst und nachvollziehbar gemacht werden. Für die Umsetzung erscheint mir hier vor allem die Blockchain-Technologie möglich, die sich gerade anschickt, viele Bereiche unseres Lebens still zu revolutionieren.*

Und last but not least braucht es ebenso leistungsfähige Algorithmen für die automatisierte Kennzeichnung des existierenden Bestands an Open Educational Resources und die Befüllung der Blockchain sowie für eine leistungsfähige, auf Bildungsressourcen spezialisierte und frei verfügbare Softwarelösung, mit der NutzerInnen für sie relevante OER schnell und intuitiv finden können.

Um zu den Grundgedanken von OER kongruent zu sein, sollten die so entstehenden Lösungen selbstverständlich unter einer Open Source-Lizenz veröffentlicht werden.

Das ist natürlich eine stattliche Wunschliste- und da das nächste Weihnachtsfest noch einige Zeit entfernt ist, bleibt mir an dieser Stelle nur der Aufruf: Freiwillige vor!

 

*(Ein solcher Tenor steht natürlich immer im Verdacht nur ein weiteres speckbewehrtes Säugetier zu sein, das durch das internationale Dorf getrieben wird- die Zahl und das Renommee der Stakeholder, die aktuell in diese Technologie investieren, stimmen mich derzeit allerdings zuversichtlich, dass es sich dabei nicht nur um leere Verheißungen handelt.)

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