Gelesen: Digitale Paradiese

Das Buch „Digitale Paradiese – von der schrecklichen Schönheit der Computerspiele“ von Andreas Rosenfelder ist ein in vieler Hinsicht besonderes Buch. Nicht nur, weil der Autor nicht gerade ein bekannter Akteur in diesem Themenbereich ist. Eine Leseempfehlung für alle, die die Faszination von Computerspielen verstehen möchten.

Um es vorwegzunehmen: Wer anhand des Titels ein kulturpessimistisches Werk erwartet, dass harsche Kritik am Medium der Computerspiele übt, wird enttäuscht werden. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Der Autor outet sich schon im Vorwort als ein bisweilen fast schmerzhaft idealistischer Betrachter des Potenzials von Computerspielen. Der Stil des Buches ist weit von wissenschaftlicher Distanz entfernt. Das ist allerdings kein Nachteil, sondern im vorliegenden Fall eine große Stärke.

Der Autor beleuchtet die verschiedensten Aspekte rund um Computerspiele. Dabei stellt er immer wieder medienbiografische Bezüge zur eigenen Person her. Es gelingt ihm dabei wie keinem anderem, sich der speziellen Gattung Mensch, dem „Gamer“ zu nähern. Die Einblicke, die er dabei klug umschreibt, haben bei mir bisweilen Erstaunen ausgelöst, denn nicht selten trifft er mit seinen Ausführungen die Befindlichkeiten von leidenschaftlichen Computerspielern wie den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf.

Leider kann der Autor seinen im Vorwort u.a. formulierten Anspruch, den „Wegweiser zum pädagogisch Wertvollen“ aufzustellen, nicht erfüllen. Der Leser wird dafür allerdings entschädigt, ist das Buch doch gespickt mit interessanten Perspektiven und stellenweise fast philosophisch erscheinenden Betrachtungen des Phänomens „Computerspiele“ in seinen vielen Facetten:

Vielleicht spürt man die rätselhafte Offenheit des nackten Lebens nie so deutlich wie in dem Moment, wo man spät in der Nacht den Rechner herunterfährt und die Ventilatoren ersterben hört. In diesem Moment stirbt eine ganze Welt.

A. Rosenfelder: Digitale Paradiese, S. 13

Dabei ist das Buch sehr aktuell und hervorragend recherchiert. Letztendlich ist die große Leistung des Buchs, einen einzigartigen Blick in die innere Befindlichkeit von Computerspielern zu ermöglichen, der der Realität näher kommen als alle bisherigen, mir bekannten Publikationen.


Meine Wertung: * * * * * – absolute Leseempfehlung


>>> STECKBRIEF <<<


Titel: Digitale Paradiese – von der schrecklichen Schönheit der Computerspiele
Autor: Andreas Rosenfelder
Erschienen: 2008
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-03955


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